Monthly Archives: Mai 2014

Rallyetag 20 : Zurück in die Zukunft




nächster Tag

„Das wars“ denke ich beim Aufwachen. Noch einmal die seltsame Wüstenatmosphäre am frühen Morgen aufsaugen. Als wir eine Stunde später das Camp aufräumen habe scheint es, als wäre es den anderen Teilnehmern auch so ergangen. Gestern abend gab es keine Beschallung im Fahrerlager, es war sehr ruhig – alle genossen die Stille. Oder sind wir einfach nur erschöpft ?

Route Rallyetag 20

Das glaube ich eigentlich nicht. Im „Oriental Mode“ räume ich meine Sachen zusammen, wir machen uns auf den Weg. Raus aus der Wüste, rein ins jordanische Getümmel. Keine Ahnung, welch abwechslungsreicher Tag uns heute bevorstehen wird.

Heute morgen sollen Spendengüter an eine Kinderorganisation übergeben werden, gerade ein paar Kilometer weiter in den Süden. Dafür müssen wir erst nach West aus dem Wüstenabschnitt herausfahren, bis dass wir wieder auf die Schnellstrasse kommen. Die Fahrt aus dem Camp ist unspektakulär und atemberaubend zugleich. Wo wir in der Nacht im Dunkeln Abgründe oder Steine oder sonstwas vermuteten ist einfach – nichts! Sand, Steine, mitten im Nirgendwo hat jemand eine Teekanne vergessen.  Auf geradem Weg fahren wir gen Westen, ein Stück über ein Rollfeld, welches einfach so hier in der Gegend liegt. Abseits des Tracks ist ein Beduinencamp zu sehen.

An der Schnellstrasse holt uns schnell die jordanische Zivilisation ein. Abenteuerlich gepackte LKW fahren Highway Rennen, wir sind nocheinmal erstaunt über die Lässigkeit bei der Ladungssicherung. Tankstop – ich denke mir nichts Böses und dann passiert das unfassbare : Ivonne lässt den roten Tee nochmal waschen, so dass er aussieht wie ein Neuwagen. Was die Jordanier glücklich macht, stösst bei so manchem Rallyeteilnehmer auf wenig Verständnis. Der Dreck ist schliesslich teuer erkauft …

Auf der Suche nach dem Übergabeort für unsere noch vorhandenen Ausrüstungsgegenstände treffen wir tropfenweise auf andere Rallyeteilnehmer. Die haben in der letzten Nacht ähnlich tolle Dinge erlebt wie wir – ehrlich gesagt sind wir gut davon gekommen. Vor allem die Teams, die gestern nach Osten gefahren sind, haben abenteuerliche Geschichten von Übernachtungen auf Tankstellen, kaputten Autos und fehlenden Ersatzrädern zu berichten. Man munkelt auch von aufgegebenen Fahrzeugen …

Rallyetag 19 : Wüste !




nächster Tag

Still – ganz still ist es. Es ist morgens kurz nach 6, vom Bett horche ich durch die geöffnete Autotür in die Wüste. Ruhe. Obwohl sich schon einige Leute draussen bewegen scheint die Umgebung alles aufzusaugen. Warm ist es auch schon. Meine Schuhe hatte ich abends unters Auto geworfen. Beim Anziehen fällt mir auf, dass ich gar nicht nachgeschaut habe, ob irgendetwas hineingekrochen ist. Hätte das schiefgehen können ?

Das Wüstencamp ist inzwischen komplett, die nächtlichen Nachzügler müssen gekommen sein, ohne dass wir das mitbekommen haben. Dafür stehen ein paar weitere Fahrzeuge da, Pickups, ein Wassertank-LKW und ein geländegängiger Truck. Unsere Aufpasser sozusagen.

Route Tag 19

Wenig später kommt ein weiterer LKW mit den Teilen einer Startrampe vorbei, die umgehend aufgebaut wird. Aha, heute gibt es hier ein Motorsport EVent. Eigentlich steht heute morgen spielen im Sand an – mit Autos selbstverständlich. Driften, Geschwindigkeitstest auf Sand und so – doch irgendwie steckt uns der letzte Tag noch in den Knochen, wir verpassen das Spektakel und bereiten uns eher auf die nächste Etappe vor.

Rallyetag 18 : Totes Meer – Jerusalem – Jordanien




nächster Tag

Schon morgens ist es am Toten Meer schwülwarm, es macht sich die Höhe ( bzw. Tiefe, das Meer liegt bei Minus 410 m.ü.NN ) bemerkbar. Wir haben im Auto und am Strand übernachtet und so gleich die ganze Wucht der morgendlichen Sonne abbekommen. Das Campingfrühstück ist schon Routine – Trangiakocher auspacken, Spiritus, Wasser, Kaffee. Ein bischen Fladenbrot. Heute drängeln wir uns alle in den wenig verfügbaren Schatten – das hilft aber auch nicht viel.

Route Tag 17

Nach kurzer Diskussion steht fest, dass wir Jerusalem besuchen wollen. Für Bethlehem ist keine Zeit mehr, um 16:00 sollen wir an der Grenze nach Jordanien sein. Diese Ankündigung liest sich im Roadbook auch nicht wie ein orientalischer Hinweis, sondern klingt deutlich nach „seid pünktlich da“. Da wir auch noch nicht wissen, wie es in Jordanien weitergehen soll, beschliessen wir, 15:30 anzupeilen, damit nichts schiefgeht.

Rallyetag 17 – Haifa ans Tote Meer




nächster Tag

Morgens soll es früh mit dem Shuttle-Bus zum Hafen gehen – es ist alles etwas unklar, die Informationen sind erst mitten in der Nacht via Facebook gekommen. Die Fähre ist dann aber tatsächlich da. Peter, Eddi und Dirk fahren mit dem Bus runter. Wir anderen könnten ausschlafen und in Ruhe frühstücken. Aber dann sputen wir uns doch und fahren auch mit dem Shuttle runter. Die Autos kommen unerwartet flott durch den Zoll – unsere Autos.
Route Haifa Während wir uns um 10 Uhr bereits auf den Weg entlang des Roadbook-Israel machen können, warten andere Teams bis mittags, daß sie endlich starten können. Es ist wohl nicht überall so schnell gegangen. Die Drogen- oder Sprengstoffhunde haben das eine oder andere Mal angeschlagen – Fehlalarm, aber dann mußte das komplette Auto ausgeräumt werden und wurde intensiv gefilzt. Und die Frageprozedur war natürlich auch entsprechend – so berichteten andere Teams am Abend entnervt.

Auch wenn wir frühzeitig losfahren konnten, war das Programm in Israel stark gekürzt. Die Fährprozedur dauert einfach sehr, sehr lange. Also mußten wir uns sputen ! Nazareth – haben wir durchfahren, aber nicht gesehen. Mount Tabor – wurden wir ( aus Sicherheitsgründen ) gebeten auszulassen.

Wir passierten in Eile die Grenze zum autonomen Palästinensergebiet und fuhren ins Westjordanland ein. Der nächste feste Punkt mußte bis spätestens 15.30 Uhr passiert werden: ein Militärkontrollpunkt lag vor uns, der den Eintritt zum „Qaser Al-Yahud“ ermöglicht. Das ist die Stelle am Jordan, an dem die Israeliten nach der Flucht aus Ägypten durch den Jordan kamen. Hier soll auch Jesus von Johannes dem Täufer im Jordan getauft worden sein. Eine schöne Stelle am erstaunlich kleinen Fluß Jordan. Malerisch mit Kirchen und Baptisterien umgeben.

Der Fluß ist kühl. Wir haben die Gelegenheit genutzt unsere Füße zu kühlen. Oberhalb des Flußes war eine Andachtshalle, in der eine christliche Pilgergruppe Lieder anstimmten und ein deutscher Pfarrer erläuternde Worte zu diesem Ort seiner Gruppe und auch uns mitteilte. Ein schöner Ort und eine schöne Atmosphäre für jeden, den es berühren mag.

Für uns alle standen Wasser, Datteln und Trauben bereit.  Der Snack wurde von allen Teams begeistert aufgenommen. Wir konnten bemerken, daß wir in der Wüste sind: wir hatten einen Riesendurst. Als Information gab uns der Gouverneur des Distriktes mit auf den Weg, daß 80% der Weltjahresproduktion an Datteln aus dem Jordantal stammt – eine beeindruckende Zahl. Aber die Dattelpalmenfelder am Straßenrand, die wir vorher gesehen hatten waren auch beeindruckend.

Im Anschluß an das israelische Bruhsthaarkraulen der verschiedenen Offiziellen ging es im Konvoi durch Minenfelder. Neben der Straße waren Stacheldrahtzäune mit Minenwarnschildern dran. Die Anlagen der verlassenen Kirchen und Klöster lagen nun hinter dem Zaun – unerreichbar für uns alle. Eine Einmaligkeit, daß wir hier durchfahren durften. Für Peter und mich war das ein sehr zweifelhaftes Vergnügen, auf das wir beide im Nachhinein gerne verzichtet hätten, wenn wir das gewußt hätten. Ziel war die Mündung des Jordans in das Tote Meer. Niemals hätte ich mir diese Fluss so winzig vorgestellt …

Rallyetag 16 – Ohne Auto :-((




nächster Tag

Wieder wenig geschlafen – doch da heute ein spannender Tag bevorsteht, ist genug Adrenalin da, um ausreichend wach zu sein. Wir haben keine Autos. Da wir die Fahrzeugschlüssel in den Tees auf der Fähre lassen mussten, suchen Edwin, Dirk und Peter beim Verlassen des Hotels noch ihre nicht vorhandenen Autoschlüssel. Das ist eine ungewohnte Leere in der Hosentasche.

Um 9:30 soll unser Shuttlebus von Iskenderun nach Adana zum Flughafen bereitstehen. Wir machen uns also gegen 9:00 zu Fuss auf den Weg. Es sind nur ein paar Meter durch Iskenderun zu laufen und die Busse sind auch schon da. Nach etwa 2 Stunden Fahrt erreichen wir den Flughafen und machen uns nach der Erfahrung von gestern auf eine längere Prozedur gefasst. Doch es verläuft alles zielsicher und organisiert. Beim Checkin erhalten wir unsere Flugtickets für den Charterflug nach Tel Aviv, der Zoll ist unauffällig und so sitzen wir relativ pünktlich gegen 13:40 im Flugzeug. Um uns herum ausschliesslich Rallyeteilnehmer, die gespannt Israel entgegenblicken.

Die Flugroute streift Zypern und wir fliegen Tel Aviv von Westen aus an. Der Landeanflug verläuft irgendwie serpentinenförmig, so dass auch die weiter innen sitzenden in den Kurven durch die Neigung des Flugzeugs Gelegenheit haben, etwas von der Stadt zu sehen. Landung, Israel !!

Wir haben wieder etwas Befürchtungen wegen der Einreiseformailitäten. Werden wir befragt, warum wir ins Land kommen, unsere Sachen durchgeschaut oder ähnliches ? Nichts dergleichen ! Bald sitzen wir in einem weiteren Shuttlebus, der uns von Tel Aviv nach Haifa fährt, wo wir unsere Autos wieder in Empfang nehmen sollen.

Aus dem Bus werfen wir die ersten Blicke auf dieses unbekannte Land. Tel Aviv ist modern. Strassen wie zu Hause, viele Autos. Viele Firmen, die wir kennen sind hier und präsentieren sich mit großen Gebäuden. Ich sehe Ebay und Intel, McD darf auch nicht fehlen. Ganz anders sind die Strassenschilder – Hebräisch. Arabisch und Englisch sind auf ihnen vereint. Unser Busfahrer spricht Hebräisch, denke ich zumindest, da ich bei seinen Telefonaten immer „Lo“ heraushöre, das hebräische „Nein“.

Rallyetag 15 – Einschiffen nach Israel




nächster Tag

Heute wollen wir die Autos auf die Fähre bringen, damit diese nach Israel transportiert werden können. Der Weg durch Syrien ist wegen der politischen Situation nicht befahrbar, so dass dieser Weg gewählt werden muss. Die Fahrer werden mit dem Flieger hinterher fliegen.

Aus den Berichten der Vorjahresrallyes haben wir schon eine Ahnung, dass das eine größere Aktion wird. Das OK hat uns heute für 11:30 in den Hafen von Iskenderun eingeladen, es soll alles glatt laufen. Da wir pünktlich sein wollen, fahren wir um 10:00 im Hotel los, tanken noch ein bischen ( auch wenn das hier teurer ist als in Israel ) und fahren dann freundlich hupend zum Terminal B des Hafens.

Wir bedeutet ausnahmsweise mal nicht das ganze Team, sondern zunächst eine Auswahl von 4 aus 6. Zum Verschiffen brauchen wir eigentlich nur die Fahrzeughalter, Andreas möchte aber gerne teilnehmen, da die Verschiffung spannender erscheint, als die Bearbeitung des Roadbooks. Eine Aufgabe, die das Backoffice im Hotel gerade übernimmt. Später stellt sich dann leider heraus, dass nur die Halter im Hafengelände erwünscht sind, so dass Andreas wieder gen Hotel marschiert. Ein Glücklicher …

Rallyetag 14 – Oriental Mode




nächster Tag

„Anhalten, mein Auspuff ist ab“ – langsam sacken Eddies Worte aus dem CB Funk in mein Bewusstsein und ich erwache aus meinem Beifahrerschlaf. Ok, dann sollten wir mal anhalten, denke ich.

Route Tag 14
Zuvor waren wir sehr früh aufgestanden, hatten mit der Hintergrundbeduddelung aus einem Fernseher  ein orientalisches Frühstück in Diyabakir im Hotel eingenommen und waren pünktlich gegen 8:00 aufgebrochen. Da bis morgens um 2:00 noch Blog geschrieben, Facebook upgedated und Roadbook vorbereitet werden musste, hatte ich ( Peter ) mir morgens einen erfrischenden Beifahrerschlag gegönnt.

Und nun das, bei Außentemparaturen um 30C. Und jetzt kommt das Erstaunliche : trotz Termindruck ( wir müssen morgen um 12:00 an der Fähre gen Israel stehen und das ist noch mehrere hundert Kilometer entfernt ) lässt mich das ziemlich kalt. Wird schon irgendwie gehen. Der orientalische Modus ist eingeschaltet – wird schon gehen, locker bleiben.

Rallyetag 13 – von Van nach Diyabakir




nächster Tag

Heute steht wieder ein Fahrtag an – von Van nach Diyabakir. Viele Kilometer durch Kurdenland, entlang der irakischen Grenze. Das fühlt sich teilweise etwas unheimlich an, ist landschaftlich aber sehr reizvoll.

Route Tag 13

Wir kommen schnell voran, die Strassen sind gut ausgebaut. Aufpassen muss man mit Tieren, die mal mit Beaufsichtigung, mal ohne in der Nähe oder auf der Strasse ihr Tagewerk vollbringen. Meist sind es Kühe, aber auch Ziegen und Schafe sind zu sehen. Nach knapp 100km machen wir am Rand des Van Sees ein ausgiebiges 2tes Frühstück. Dabei stellen wir fest, dass es sehr ungewohnt ist, ein so großes Binnengewässer ohne jegliche Zeichen von Wassersport zu sehen. Wie sich wohl Boote auf dem stark Soda haltigen Wasser halten würden ?

Ein gutes Stück fahren wir auf der v on gestern bekannten Strasse wieder zurück, bis dass wir bei Bitlis auf einen neuen Weg gen Westen abbiegen. Das nun folgende Kurdistan beinhaltet alles, von sagenhaft felsig, bis topfeben ist alles mit dabei und wir können gar nicht aufhören zu schauen. Dabei kommt das fotografieren heute irgendwie etwas kurz.

Mittags machen wir Rast in einer Truckerraststätte, wo es zwar keine Karte aber eine sichtbare Zubereitung gibt. So können wir zeigen, was wir essen wollen. Mit unseren nicht vorhanden Türkischkenntnissen wären wir ansonsten auch aufgeschmissen.Lecker sind die Dinge allerdings, wir könnten noch ein bischen bleiben und weiter Tee trinken.

Es werden auch die LKWs vom Dreck befreit, zwei Arbeiter mühen sich mit den Dampfstrahlern mächtig ab. Aber kaum verlassen die Fahrzeuge den Hof sind sie schon wieder staubig.  Die Ladung besteht entweder aus wenig gesichertem Baumatterial oder aus Kühen – die LKWs werden dafür scheinbar abwechselnd verwendet.

Inzwischen hat sich das Wetter unseren Erwartungen angepasst – es ist warm, nach den kühlen Temperaturen der letzten Tage fast zu warm. Als wir am Nachmittag in Diyabakri einfahren ist es knapp vor 30 Grad.

Dirk und Peter flitzen los, um ein Hotel zu reservieren. Mit unserer inzwischen arg abgerissenen Rallyekleidung sind wir nicht überall gerne gesehen …. und bekommen letztendlich doch prima Zimmer zu einem rallyetauglichen Preis. Wichtig ist uns der sichere Parkplatz. Diese Stadt ist so quirlig, dass wir unsere Sachen gerne etwas abseits und bewacht sehen.

Ein Ausflug in die Stadt endet mit einem Bummel durch den Bazar, der leider viel zu früh schliesst. Hier gibt es nicht nur Tinnef – vielleicht hätten wir das ein oder andere gefunden. Ersatzkleidung wäre langsam nicht schlecht.

Der Abend endet mit Abendessen in einer alten Karawanserei und Roadbook- sowie Blogschreiberei.

km gefahren : rund 400

Pannen : keine, Zentralverriegelung vom roten Tee macht, was sie will

Rallyetag 12 – Tunceli nach Van




nächster Tag

Heute muss alles zügig gehen – wir haben eine lange Etappe vor uns. Früh sind wir im Hotel schon auf den Beinen und frühstücken noch mit den Kollegen von FuntasticSix ein typisches Frühstück mit Gurke, Tomate, Weissbrot und Käse.

Route Tag 11Unsere Rallyeboliden sind über Nacht gut aufbewahrt gewesen – mit Videoüberwachung und Wachmann. Dennoch sind wir immer ein bischen unruhig, wenn wir die Autos alleine lassen. Vollkommen unbegründet, wie wir beruhigt feststellen.

Etwas verschlafen machen wir uns auf die Reise gen Osten. Heute soll es bis nach Van gehen, das ist kurz vor der Grenze zum Iran. Allein der Gedanke ist schon etwas seltsam, wenn man auf die Karte schaut wird es noch unglaublicher. Die Strassen sind erstaunlich gut ausgebaut und wir kommen wirklich gut voran, auch wenn wir beachtliche Höhenunterschiede überwinden müssen.

Dann möchte der rote Tee auf sich aufmerksam machen – vielleicht haben wir ihn in den letzten Tagen zu wenig beachtet und uns zu viel um die Landschaft drumherum gekümmert. Aus der Motorhaube quillt eine Rauchwolke, die Kontrolllampe fürs Kühlwasser geht an und die Temperatur schiesst in die Höhe. Ein erster Check ergibt, dass der Deckel des Kühlwasserausgleichsbehälters nur noch auf dem Behälter liegt und nicht mehr festgeschraubt ist. Losgerappelt ? Beim letzten Check nicht richtig festgeschraubt ?? Egal – schnell Wasser nachgefüllt und es geht weiter durch grandiose, immer wieder abwechslungsreiche Landschaft.

Rallyetag 11 – Von Ordu nach Tunceli




nächster Tag

Alle waren wir noch nie am Schwarzen Meer. Uns ist wieder einmal bewußt geworden, wie weit wir doch bereits im Osten sind. Jeder von uns hat seine Freude darüber anders zum Ausdruck gebracht. Nicole hat Sand vom Strand geholt, Andreas war auf Fotosafari (da haben die meisten von uns noch geschlafen), Ivonne und Peter mußten Hände und Füße ins Wasser stecken.

Route Tag 11Und wir alle sind wohl der Frage nachgegangen, ob das Wasser wohl salzig schmeckt. Da uns jedoch für die nächsten beiden Tage lange Etappen voranstehen, haben wir uns sehr schnell wieder auf den Weg gemacht, nicht ohne vorher unser Musikinstrument in Ordu für das dortige Museum abzugeben – eine Ukulele.

Unser Ziel für den heutigen Tag lautete Tunceli. Der Ort liegt etwa auf halber Strecke in Richtung Van. Wir fuhren wieder quer durch das Pontische Gebirge ins Anatolische Hochland zurück. Dabei kraxelten unsere 3 Benze ganz wacker auf Pässe zwischen 1500 und 2200 Metern hoch. Wir hatten uns einen Weg herausgesucht, der möglichst nicht schlechter als rote Straßen auf der Landkarte – was bedeutete, daß wir überall Teerbelag erwarteten.

Die Bandbreite der Straßenqualität einer roten Straße reicht – so haben wir glernt – von Baustraße mit tiefen Kratern und aus Dreck gebaut bis breit, frisch asphaltiert fast schon Autobahnfeeling beim Fahren.

Unsere Route führte uns kilometerlang an Hasselnussplantagen vorbei – hier wächst sicherlich jedes Jahr ein Jahresbedarf an Rohstoffen für die Nutella-Prooduktion. Weiter oben wachsen gelbblühende Sträucher und auch Rhododendron. Überall wuchsen diese Büsche – in zwei Wochen wird hier alles gelb und pinkfarben leuchten.

Nachdem das erste Stück des Weges aufgrund schlechter Straßen nur zäh verran, hatten wir nach dem Wechsel auf die D100 wieder autobahnähnliche Verhältnisse. Wir hätten Kilometer fressen können, wenn da nicht der eine oder andere Cay-Stopp gewesen wäre.


Auf dem letzten Wegestück stockte uns regelmäßig der Atem. Die Landschaft war beeindruckend schön. Üppig bewaldet, karstig und dürr, enge Schluchten, Farben von und immer wieder hatte die Geologie interessantes Neues zu entdecken. Ganz zum Schluß wurde unsere Fahrerei mit einer tollen eDurchfahrt durch eine enge und wildromantische Schlucht belohnt bevor wir nach Tuncelli ankamen.

Dort versuchten wir ein Hotel zu finden. Das erste was wir ansteuerten war uns leider viel zu teuer. Beim Warten auf den Rest vom Team bildeten sich sofort Trauben von Menschen um uns. Irgendwer sprach uns immer auf deutsch an. Unsere Tagesaufgabe war es, jemanden in Tuncelli zu finden, der bereits einmal in Deutschand gearbeitet hatte. Wie sich Herausstellte war das kein Problem. Schnell fand sich auch bei uns der eine oder andere und so notierten wir nach kurzer Zeit eine Adresse ins Roadbook.

Beim Parken unseres Fahrzeugs war uns ein Mann besonders behilfreich. Wir bekamen einen Platz an der Feuerwehr zugewiesen, gut überwacht von Kameras. Hanafi versicherte uns, da kommt nix weg, macht Euch keine Sorgen. Wir verabredeten uns mit ihm zu einem Kaffee. Daraus wurde ein schönes Abendessen und anschließend ein richtiger Kaffee aus der Maschine. Zusammen mit den 78ern hatten wir einen wunderbaren Abend. Lernten viel über die Stadt und seine Einwohner und über die, die nicht mehr hier wohnen und nur noch zum Urlaub machen wiederkommen.

Die kleine unbeugsame kurdische Stadt mit 34000 Einwohnern im erzkonservativen Anatolien.